Chronik

Feuerwehrkapelle-Schwanheim
Im Orchester der Freiwilligen Feuerwehr Schwanheim spielten Männer, die später zu den Gründern des Kirchenmusikvereins gehörten.
Pfarrer Hitzel

Musik genoss bei Pfarrer Bernhard Nikolaus Hitzel große Wertschätzung. Schon bald nachdem Pfarrer Hitzel die Pfarrstelle in Fehlheim angetreten hatte, gründete er eine Flötengruppe. Damit waren seine musikalischen Ambitionen nicht erschöpft.

Im Jahre 1972 schlug er im Kreise „alter“ Musiker vor, eine Kirchenmusik zu gründen. Mit Begeisterung waren die angesprochenen Männer, unter anderem Anton Brunnengräber und Bernhard Lambert, die schon zu Zeiten von Pfarrer Jäger hohe kirchliche Feiertage mit Chorälen umrahmten, sofort dabei, die Idee Pfarrer Hitzels in die Tat umzusetzen.

Als Stiftungstag wählte man das Christkönigsfest. Pfarrer Hitzel knüpfte Kontakt mit der Kirchenmusik in Lampertheim, die fortan wichtige Aufbauhilfe leisten sollte. Aus Lampertheim kam auch der erste Dirigent: Klaus Lechinsky.

Schnell wuchs der „Pfarrbläserchor“, wie er anfangs genannt wurde, zu einer stattlichen Gruppe an. Nachdem Klaus Lechinsky aus beruflichen Gründen als Dirigent nicht mehr zur Verfügung stand, übernahm der ebenfalls aus Lampertheim kommende Dirigent Alois Lurg den Taktstock.

Er prägte über Jahre hinweg den jungen Kirchenmusikverein und schaffte es, die Bläser auf ein beachtliches musikalisches Niveau zu führen. Ohne das Engagement von Alois Lurg wäre der Kirchenmusikverein Fehlheim sicherlich nicht dort, wo er heute zur Freude der Kirchengemeinde, des Stadtteils und der Stadt Bensheim steht.

Als Proberaum diente dem KKMV in den ersten Jahren das Jugendheim. Dort waren auch die Noten untergebracht. Apropos Noten: Dank der Spenden aus der Bevölkerung und der massiven finanziellen Unterstützung von Pfarrer Hitzel konnten Instrumente und Noten angeschafft und den meist jungen Musikern kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Der fleißige und konzentrierte Probenbesuch ermöglichte schon ein Jahr später die ersten Auftritte in der Kirche und bei weltlichen Veranstaltungen. Wichtige Motivation für die Bläser.

Nicht unerwähnt sollte die Tatsache bleiben, dass es sich am Anfang um eine reine Männergesellschaft handelte. Erst einige Jahre später gesellten sich junge Mädchen hinzu. Heute wäre das Orchester ohne die Musikerinnen nicht mehr denkbar.

Die herausragenden Ereignisse im ersten Jahr nach der Gründung des Vereins waren zum einen die Mitwirkung bei den Jubiläumsfeierlichkeiten des Verbandes der Bläserchöre in Mainz. Die Musiker hatten die Ehre, im Dom zur Ehre Gottes zu musizieren.

Der zweite Höhepunkt des Jahres 1973 war die Gründungsfeier am 25. November. Diözesanpräses Heino Schneider ließ es sich nicht nehmen, den Fehlheimer Bläsern persönlich zum Geburtstag zu gratulieren. Er tat dies in einem feierlichen Abendgottesdienst.

Mit Elan und jugendlicher Unbekümmertheit meisterte der KKMV der im ersten Jahr 27 aktive und 17 passive Mitglieder zählte, die ersten Jahre. Die musikalischen Schritte waren beachtlich und trugen dem Fehlheimer Kirchenmusikverein bald einen guten Ruf ein.

Anteil daran hatte Dirigent Alois Lurg, der mit unermütlichem Einsatz und Idealismus den Verein leitete. Alois Lurg fand die richtige Mischung: Er war unnachgiebig und streng, was die musikalische Ausbildung und die Disziplin betraf, verstand es aber gleichermaßen, seine Freude an der Musik den meist jugendlichen Bläsern zu vermitteln. Mit seinem Humor lockerte Alois Lurg stets die anstrengenden Proben auf und sorgte für eine angenehm-kollegiale Atmosphäre.

Mit jedem Jahr wuchs der Zuspruch aus den Reihen der Bevölkerung für den Kirchenmusikverein. Ständig schlossen sich junge Leute der Gruppe an und lernten Instrumente. Durch das gemeinsame Musizieren entstanden Freundschaften.

In die Annalen des Vereins ging das dritte Stiftungsfest ein. Gemeinsam mit der Kirchenmusik aus Lampertheim und dem Gesangverein Harmonie Fehlheim wurde ein Konzert gestaltet. Übrigens: Die Zahl der Aktiven war auf 38 angestiegen.

Der Kirchenmusikverein hatte schon immer auch die gesellige Seite des Vereinslebens gefördert. Daher organisierten Musiker im Februar 1976 einen Eltern und Familienabend in der Fastnachtszeit. Zu einer „Lustigen Musikstunde“ luden die Bläser ein. Anfangs war die Lustige Musikstunde eigentlich nur eine interne Feier. Im Laufe der Zeit hat sich diese Veranstaltung zu einer Fastnachtssitzung entwickelt, die an zwei Tagen stattfand.

Ähnlich war es mit dem Kirchweihfest. Nachdem die Kerwe in Fehlheim eingeschlafen war, schlugen Musiker vor, nach dem Festgottesdienst einen geselligen Frühschoppen im Hof des alten Kindergartens zu arrangieren. Bald hatte dieses Beisammensein keinen vereinsinternen Charakter mehr. Die Verantwortlichen des KKMV entschieden sich dazu, ein Kirchweihfest im Hof des alten Kindergartens zu veranstalten. Das Fest erfreute sich großer Beliebtheit.

Nachdem das Jugendheim neben der Kirche als Probenraum klein geworden war, wählte man auf Vorschlag von Pfarrer Hitzel den alten Kindergarten (das heutige Pfarrzentrum) als neues Domizil. Dort fanden fortan die Feste und Feiern, die Sitzungen und Proben statt.

Auch die ersten Jungbläser erhielten hier ihre Ausbildung. Der Vorstand des KKMV hatte bald erkannt, dass gezielte Jugendarbeit höchste Priorität in einem Verein genießen muss. Ohne die Förderung des Nachwuchses ist die Zukunft eines Vereins gefährdet.

Die ersten Jungbläser, die erfahrene Musikern kostenlos ausbildeten, wurden am 29.Januar 1977 in die große Gruppe aufgenommen. Die Integration der elf jungen Musiker erfolgte problemlos. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass junge und ältere Musiker harmonieren, dass Standesunterschiede keine Rolle spielen oder Musiker ausgegrenzt werden. Die feierliche Aufnahme der Nachwuchsbläser erfolgte im Rahmen eines Konzertes in der Turnhalle in Fehlheim. Alois Lurg dirigierte damals 42 aktive Bläser; eine stattliche Zahl für ein Dorf mit rund 1500 Einwohnern.

Das erste Konzert

Dass die Kirchengemeinde Fehlheim über eine ausgezeichnete Kirchenmusik verfügt, bemerkten auch Bensheims Stadtväter. Bald flatterte dem KKMV eine erste offizielle Einladung auf den Tisch. Der KKMV umrahmte die Gedenkfeier auf dem Soldatenfriedhof in Auerbach. Vor zwei Jahren war dies ebenfalls der Fall, als die zentrale Gedenkfeier des Landes Hessen in Auerbach stattfand. Staatsminister Starzacher war anwesend und dankte dem KKMV persönlich für die Mitgestaltung. Aus dem Innenministerium und von Bürgermeister Stolle folgten jeweils Dankschreiben.

Nach dem ersten Auftritt in Bensheim erhielt der KKMV die Einladung, am Winzerfestumzug teilzunehmen. Seit 1979 ist der Fehlheimer Kirchenmusikverein alljährlich beim Bacchanale dabei. Fester Bestandteil im Terminkalender war auch das Bensheimer Bürgerfest und das Bickenbacher Bachgassenfest.

Überall dort konnte der KKMV bisher die Zuhörer begeistern und eindrucksvoll demonstrieren, dass Kirchenmusikvereine nicht nur Choräle und sakrale Werke spielen, sondern auch moderne Blasmusik beherrschen.

Darauf legte nicht nur Dirigent Alois Lurg, sondern auch der Vorstand großen Wert. Das Führungsgremium bestand in den Anfangsjahren aus einigen erfahrenen Männern und Pfarrer Bernhard Nikolaus Hitzel, der kraft Amtes Präses des Vereins war. Als Vorsitzender fungierte Bernhard Lambert kommissarisch. Die erste ordentliche Generalversammlung mit Wahlen erfolgte am 27. März 1980. Erster Vorsitzender war Michael Löw.

10 Jahre KKMV-Fehlheim

Als Hans Pflüger das Amt des ersten Vorsitzenden übernahm, wechselte auch der Dirigentenstab den Besitzer. Alois Lurg zog sich aus Altersgründen 1988 zurück. Für seine Verdienste um den Verein wurde Alois Lurg zum Ehrenmitglied ernannt.

Die musikalische Leitung übernahm Wilfried Lambert, der seit 1977 Vizedirigent war und die Jungbläsergruppen leitete. Obwohl er aus den eigenen Reihen kam, akzeptierten die Musiker sofort seine Entscheidungen und respektierten ihn als Dirigenten. Unter seiner Stabführung wurden Konzerte absolviert, Konzertreisen durchgeführt und Gottesdienste in Dome wie Speyer, Frankfurt, Köln, Passau, Pecs (Fünfkirchen), Amersham und Beaune musikalisch gestaltet.

Ihm folgten 2007 Monika Forstbach und 2019 Ralph Dinu-Biringer. Seit 2024 wird das Orchester von Uwe Techt geleitet.

Wohl kaum einem Kath. Kirchenmusikverein in der Diözese Mainz ist es bisher gelungen, in solch hohen Gotteshäusern die Kapitelämter musikalisch umrahmen zu dürfen. Dabei wird das Kapitelamt im Dom in Speyer in besonderer Erinnerung bleiben. Im größten deutschen romanischen Bauwerk, mit einer unvergleichlichen Akustik, spielen zu dürfen, ist schon eine große Auszeichnung und Ehre. Ein nicht minder herausragendes Ereignis war die musikalische Umrahmung eines Hauptgottesdienstes im mächtigen Kaiserdom in Frankfurt. Rund 250 Musikfreunde waren mitgereist. Die Fehlheimer „Dombläser“ wussten auch hier zu begeistern; zweimal klatschten die Gottesdienstbesucher Beifall.

Der KKMV ist über Bensheims Grenzen hinaus bekannt und verfügt über ein vielfältiges Repertoire. Er repräsentiert die Stadt als “musikalischer Botschafter” und besuchte alle Partnerstädte.

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